Immer wieder ist die Rede von Möglichkeiten, im Internet zu Geld zu kommen. Natürlich ist damit in der Regel das schnelle Geld in Hülle und Fülle gemeint. Realisten haben längst erkannt, dass sich hinter den unzähligen Versprechungen meistens nichts als Katzengold verbirgt. Dennoch gibt es - besonders für Autoren und Texter - einige Chancen auf ein lukratives Nebeneinkommen in Form von Textportalen. Wie hoch sind die Verdienstmöglichkeiten? Kann man von der Arbeit leben?
Zunächst muss gesagt werden, dass gute Texter (im Sinne von Auftragsschreibern und Ghostwritern) generell ihre Preise haben. Diese Preise gestalten sie zumeist selbst anhand bestimmter Faktoren wie Zeitaufwand, Länge des Textes, Dauer und Umfang der Recherche etc. Handelt es sich dann noch um promovierte Germanistiker oder ähnlich gut ausgebildete Deutschmeister, so kann die Inanspruchnahme ihrer Dienste (zu Recht) mit sehr hohen Preisen verbunden sein. Das Resultat ist dann auch ein professioneller Text, der in puncto Grammatik, Stil und Ausdruck keines weiteren Lektorates mehr bedarf. Gute Qualität für gutes Geld - so lautet die Devise selbstständiger Profitexter, und dass diese sich mit der Zeit einen Namen machen, der es ihnen gestattet, von ihrer Arbeit zu leben, versteht sich von selbst.
Anders sieht es aus bei Autoren und Textern, die ihre Aufträge über die genannten Internetportale beziehen. Hier gibt der Kunde die Preise vor, und diese liegen nicht selten bei Umrechnung auf die damit verbundene nötige Arbeit auf der Höhe eines Hungerlohnes. Dies ist allerdings wiederum meistens abhängig von den zuvor ausgeloteten Fähigkeiten des jeweiligen Texters. Meldet man sich auf solchen Seiten an, so ist man vielfach verpflichtet, einen Mustertext einzureichen. Anhand dieses Textes, der auf Rechtschreibung und Stil geprüft wird, wird man in eine Kategorie eingeteilt, die den Autor auf eine bestimmte Stufe stellt. Steht man nun beispielsweise auf Stufe 3, so kann man auch nur Aufträge bekommen, die seitens der Kunden mindestens für diese Stufe freigegeben sind. Je höher die Stufe, desto besser der Verdienst. Die eingereichten Texte werden nach der Abgabe durch den Autor auch nach und nach von den Seitenbetreibern geprüft, und wird festgestellt, dass die Texte immer besser werden, so steigt man im Laufe der Zeit natürlich auch z. B. in Gruppe 4 oder (je nach Portal) höher auf. Nur selten kommt es dagegen vor, dass bereits der Mustertext so hoch bewertet wird.
Die Aufträge selbst werden nach einem "Open-Order"-Prinzip von den Kunden im Portal verewigt, d. h. die Autoren suchen sich die Aufträge selbst heraus. Fallen die Texter bei einem Kunden immer wieder positiv auf, so können sie auch "Direct Orders" von diesem beziehen und in diesem Fall individuelle Preise aushandeln oder das hierfür erwartete Honorar bereits in ihrem Profil angeben (was aber an der Bezahlung der Open Orders nichts ändert).
Nun sieht es so aus, dass das Honorar eines relativ gut bewerteten Texters bei etwas mehr als € 1,00 pro 100 Worte liegt, was für professionelle selbstständige Vollbluttexter natürlich nichts weiter als ein schlechter Witz ist. Dennoch muss man sich überlegen, was man genau will - man darf nicht vergessen, dass viele der jetzt hauptberuflichen Profitexter mit der Arbeit auf diesen Portalen angefangen haben. Erfahrungen lassen sich hier allemal sammeln, und wenn dabei auch noch etwas Geld verdient werden kann, hat man schon zwei Vorteile auf einen Streich. Um Neppangelegenheiten handelt es sich keineswegs, und wer Spaß am Schreiben hat und lediglich zu seinem eigentlichen Job noch etwas dazuverdienen möchte, der ist als Texter auf diesen Portalen sehr gut aufgehoben.
Tatsächlich ist es theoretisch sogar möglich, dort so viel Geld zu verdienen, dass es zum Leben reicht. Dazu wäre es allerdings nötig, den ganzen Tag und einen Teil der Nacht fast ohne Pause vor dem Computer zu sitzen und sich wirklich nur die Aufträge herauszusuchen, die auf die eigene (hoffentlich hohe) Stufe ausgerichtet sind. Doch wie ich schon erwähnte: Theoretisch ist das möglich! In der Praxis kommt da leider ein nicht zu unterschätzendes Problem hinzu: Während bereits die Einnahmen für Gelegenheitstexter auf diesen Portalen bei der Einkommensteuer angegeben werden müssen, so kommt beim hauptberuflichen Texten der Umstand der Selbstständigkeit als Freiberufler ins Spiel. Dies bedeutet, dass man von dem mühsam ertippten Geld noch weitere Abgaben an Vater Staat abzuführen hat, darunter auch die Sozialversicherung, die der Freiberufler voll zu tragen hat, wenn er nicht das Glück hat, in der KSK (Künstlersozialkasse) unterzukommen, die wie im Angestelltenverhältnis die Hälfte übernimmt. Nach diesen Abzügen reicht der übrige Gewinn nämlich bei Weitem nicht mehr zum Leben. Und hier stellt sich die Frage, ob es die Sache wirklich wert ist, mehr als 15 Stunden am Tag unentwegt Texte zu verfassen und am Ende doch nicht davon leben zu können.
Daher kann gesagt werden, dass die Arbeit in diesen Portalen als Nebenjob oder Starthilfe für eine angehende Selbstständigkeit (vielleicht auch als "Zusatzversicherung" bei Leerlaufphasen während bereits bestehender Selbstständigkeit) in jedem Fall von Vorteil ist. Reich wird man allein davon jedoch auf gar keinen Fall. Wenn man sich vor Augen hält, dass man für einen Text, bei dem am Ende vielleicht € 4,00 herauskommen, über eine Stunde recherchiert und schreibt, kann man sich den Monatsverdienst leicht ausrechnen, wenn man regelmäßig schreibt. Realistisch sind dagegen durchaus ein paarhundert Euro, und bleibt man nebenberuflich unter monatlich € 400,00 (die man locker erreichen kann), so kann man diesen Betrag auch wirklich als Gewinn verbuchen. Das ist machbar - verzichten Sie einfach nur auf die üblichen Luftschlossbaustellen, denn deren Brachliegung nach einiger Zeit wäre vorprogrammiert.
Im Folgenden ein paar Links zu Texterportalen:
Textbroker ist das führende Texterportal mit unzähligen Aufträgen. Schreibt man gute Texte, so erreicht man schnell die Stufe 4, die bezüglich der Honorarhöhe vollkommen ausreicht, da es auf der einzig höheren Stufe 5 so gut wie keine speziellen Aufträge gibt. Man muss allerdings damit leben, dass die Bewertungen seitens Textbroker mitunter lange auf sich warten lassen. Für besondere Probleme gibt es aber auch ein Forum, in denen sich die Autoren austauschen können. Die Bezahlung (mindestens € 10,00) erfolgt um die Monatsmitte und muss rechtzeitig durch den Autor veranlasst werden.
Dieser Anbieter hat ein etwas großzügigeres Bewertungssystem, in dem man auch durch den Mustertext schon in eine relativ hohe Kategorie eingeordnet werden kann. Ferner hat man die Möglichkeit, sein Profil mit einem Foto zu versehen. Die Auszahlung kann, sofern € 10,00 erreicht sind, auf Veranlassung des Autors täglich erfolgen. Leider finden sich bei Content nicht so viele Aufträge wie bei Textbroker. Dafür kommt man schneller an besser bezahlte Aufträge.
Nun, man soll ja die Hoffnung nie aufgeben, und vielleicht entwickelt sich Clickworker dereinst so gut wie Textbroker oder Content. Derzeit sieht es leider so aus, dass unsinnigste Qualifizierungen angeboten werden, die man zwar nicht ableisten muss, aber dann auch nur verschwindend wenige Aufträge zur Auswahl hat. Letztere sind oft zudem wirr und unverständlich gestaltet. Und nicht zuletzt braucht Clickworker offenbar Ewigkeiten, um die eingereichten Qualifizierungen zu prüfen. Nachdem ich mangels nachvollziehbarer Aufträge nach über anderthalb Monaten immer noch nicht auf die zur Auszahlung benötigten € 10,00 gekommen bin (unglaublich, aber wahr), habe ich mit einer würzigen Mail heute meine Arbeit dort beendet. Es mag sich Jeder seine eigene Meinung bilden - für mich ist jeder Besuch bei Clickworker eine Verschwendung kostbarer Zeit, deren bessere Nutzung in den anderen beiden Portalen bares Geld garantiert.